Am 19.03. sollte uns unser Weg aus dem wunderschönen Colemêrg/Hakkari durch märchenhafte Winterlandschaften zum Newroz-Fest nach Sirnak und später dann noch nach Cizre führen. Die mit Schnee bedeckten Berge brachten uns nicht nur in die Versuchung unzählige Fotos zu schießen, sondern auch dazu unseren Fahrer zu ermutigen am Wegrand zu halten und den letzten Schnee der Berge für eine Schneeballschlacht zu nutzen.
Nach unserer Ankunft in Sirnak bot sich uns ein ähnliches Bild wie in Colemêrg/Hakkari. Viele Menschen versammelten sich auf einem zentralen Platz um sich mit traditionellen Kleidern, Guerillaanzügen und vor allen mit den Farben der kurdischen Befreiungsbewegung zu schmücken. Mit großer Begeisterung wurde den Reden gelauscht und applaudiert und zum Takt der Musik traditionelle Tänze aufgeführt. Wie auch in Colemêrg/Hakkari wurden Fahnen mit dem Portraits Abdullah Öcalans geschwenkt. Im Laufe der Festes kamen so viele Menschen auf das umzäunte Gelände, so dass ein Durchkommen beinah unmöglich wurde.
Schnell machten wir uns wieder auf den Weg, in der Hoffnung noch ein paar Eindrücke von dem Newroz-Fest aus Cizre einzufangen. Auf der Fahrt von Sirnak nach Cizre mussten wir noch mehrere Militärkontrollen passieren, wobei jedoch lediglich ein Blick auf unser Gepäck und unsere Ausweise geworfen wurde. In Cizre sollten wir dann allerdings noch einmal ein anderes Bild von der Agitation des Militärs erhalten.
An unserem vorläufigen Reiseziel angekommen, musste sich unser Fahrer mehrmals nach dem Weg zu den Newroz-Feierlichkeiten erkundigen. So auch als wir am Straßenrand eine Gruppe Kinder antrafen um sie nach dem Weg zu fragen. Offensichtlich von unserem spontanen Anhalten erschrocken, liefen sie vor uns davon und wie wir dann aus der Nähe sehen konnten, mit einem Molotowcocktail bewaffnet. Im selben Moment entdecken wir nun auch einen Zivilpolizisten auf der gegenüber liegenden Straßenseite, der mit gezogener Waffe in Richtung der Kinder und damit auch zu uns unterwegs war. Nachdem unser Busfahrer ein paar Meter weiter endgültig anhielt, eilte unsere Delegation zu der Stelle an der wir auf die Gruppe der Kinder trafen, um sich zu vergewissern, dass der Polizist seiner Drohgebärde keine Taten folgen ließ. Damit hatten wir allerdings die Aufmerksamkeit der Polizei und des Militärs auf uns gezogen, die damit begannen die ihr zu Verfügung stehenden Männer und Fahrzeuge vor uns aufzufahren. Nach einem anfänglichen, und uns allmählichen bekannten, Geplänkel über uns Ziel und unsere Anliegen und der Ausweiskontrolle und während diverse Zivilpolizisten uns nur all zu offensichtlich versuchten uns mit ihren mitgeführten Waffen zu imponieren, die von Tränegaskatuschen über Maschinengewehre reichten, wurde unser Kleinbus akribisch in Betracht genommen. (Offensichtlich ist noch nicht in allen Institutionen des türkischen Staates angekommen, dass mensch auch mit einem Personalausweis der Bundesrepublik in die Türkei einreisen kann. Diese Aufklärungsarbeit leisteten wir dann allerdings gerne.) Und tatsächlich stellten die Polizisten fest, dass mit verdunkelten Rückscheiben zu fahren ein Verstoß ist, der mit 80 € geahndet werden kann. Eine reine Schikane, da gefühlte 50 % aller Fahrzeuge mit verdunkelten Scheiben unterwegs sind. Auch auf die Frage seit wann sich denn Zivilpolizisten und das Militär in die Angelegenheit der Verkehrspolizei einmischen würden, wurde uns erklärt, dass ein Verkehrspolizist bereits unterwegs sei. Dieser erschien dann auch prompt – allerdings auch in zivil und ohne die Bereitschaft uns seine Tätigkeiten bei der Verkehrspolizei ausweisen zu können. Vor diesem Hintergrund wirkten die Beteuerungen der Polizisten und der Militärs, die Türkei sei ein noch freieres Land als Deutschland mehr als skurril. Nach der Ausstellung des Strafzettels, für den mehrere gepanzerte Fahrzeuge, diverse Polizeiwagen und mehrere Beamte in Zivil notwendig zu sein schienen, konnten wir unsere Weiterfahrt aufnehmen, allerdings um im Stadtzentrum festzustellen, dass das Newroz-Fest bereits beendet worden war. Also machten wir uns auf die Weiterfahrt nach Amed/Diyarbakir. Beim verlassen der Stadt konnten wir aus unserem Kleinbus sehen, dass verschiedene Gruppen von Kindern und Jugendlichen auf den Straßen unterwegs waren, gegen die die Polizei bereits Tränengas eingesetzt hatte. Die zum Teil vermummten Kinder und Jugendlichen lieferten sich offensichtlich Straßenschlacht mit dem Militär und der Polizei. Ein Bild, welches nach Angaben eines Mannes aus Cizre, keine besondere Situation in dieser Stadt zu sein scheint.







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